Archiv für November 2010

Mittelgroß, weich und braun

28 November 2010

Viele unserer ganz persönlichen Einstellungen formen oder ändern sich erst, wenn man eigene Erfahrungswerte hat.

So habe ich immer keine richtige Meinung gehabt, wenn die Pflegekräfte den alten, verwirrten Menschen Stofftiere in die Hand gegeben haben. Irgendwie war ich der Meinung, das würde sie “verkindlichen” oder ihnen zumindest den Respekt rauben. Ich rede nur von meinem “Bauchgefühl”, lassen wir die Wissenschaft mal außen vor.

Mittlerweile, eben mit eigenen Erfahrungswerten, sehe ich das anders. Denn wenn ein Mensch den emotionalen Zugang nur noch durch ein Tier findet, sollte man ihm diesen Zugang ermöglichen. Und wenn der Hund oder die Katze eben nur durch ein entsprechendes Stofftier dargestellt werden kann, dann ist das keine “Verunglimpfung”, sondern eine Hilfestellung.

Zu Weihnachten gibt es also für die betroffene Person einen extra schönen Stoffhund. Ohne schlechtes Gewissen.

Die andere Seite

20 November 2010

In einer meiner Einrichtungen hat eine Mitarbeiterin des MDK ihre liebe Oma zur Kurzzeitpflege angemeldet. Das allein ist sicher nicht beasonders interessant. Aber dieser Umstand hat zur Folge, dass die Mitarbeiter der Einrichtung doch dreimal hinsehen, ob alles zur Zufriedenheit der Dame hergerichtet ist und diese sich wohlfühlt. Sie wissen einfach, dass die Enkelin Sachverstand und offene Augen hat.

So habe ich mir überlegt, wie es denn ist, wenn ich einen Verwandten in eine Einrichtung gebe oder besuche. Haben dann auch alle Mitarbeiter eher einen wachen Blick? Schauen sie dreimal hin, weil sie wissen, ich sehe viel mehr als der “normale” Angehörige.? Darüber habe ich mir nie  Gedanken gemacht. Wenn ich meine Verwandten in einer Einrichtung besuche, bin ich ganz Privatperson, kein Prüfer. Diese Hörner habe ich mir schon längst abgestoßen.

Dies nur mal als Gedankenanstoss.

Unterschiedliche Betrachtungsweisen

8 November 2010

Wie die meisten Personen um mich herum wissen, treffe ich mich alle paar Monate mit den Teilnehmern meines Fernlehrgangs bezüglich der Weiterbildung zur Qualitätsbeauftragten. An diesen Tagen wird viel gearbeitet und informiert. Sämtliche Themen zur Qualität und zum Qualitätsmanagement kommen auf den Tisch. Und natürlich sind viele Einrichtungen schon vom MDK geprüft worden.

Hinweis: Die Teilnehmer kommen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Die Diskussionen sind immer sehr interessant, denn es kommt deutlich zum Vorschein, dass die Betrachtungsweisen der Prüfer oft sehr unterschiedlich sind.

Thema Tagespläne statt Pflegeplanung: Hier gehen die Meinungen der Prüfer auseinander. Der eine sagt, es wäre eine gute Alternative, der nächste meint, es ginge nur mit Pflegeplanung, es gibt keinen Weg darum herum.

Thema Bradenskala: Hier gibt es die unterschiedlichen Angaben zur Benutzung. Der eine Prüfer ist der Auffassung, sie muss grundsätzlich immer ausgefüllt werden, um zu belegen, dass z. B. kein Dekubitusrisiko besteht. Der nächste ist der Meinung, sie müsse nur ausgefüllt werden, wenn es ein offensichtliches Risiko gibt.

Thema PDCA: Einmal wird erklärt, wenn man die richtigen Bögen benutzt, dies nach PDCA sichtbar wird, hätte die Einrichtung den Punkt erfüllt. Ein anderer Prüfer sagt, es müsse ein übergeordnetes Schema geben, worin die Risikoermittlung eingebettet ist.

Fazit: Es zeigt sich also, dass man an manchen Stellen mit der richtigen Argumentation durchaus besser abschneidet, als wenn man einfach alles über sich ergehen lässt. Wissen ist Macht, das zeigt sich hier wieder sehr deutlich.